„Unter Deinen
Schutz...“: Ikonen aus den polnischen
Karpaten
27. November .2005 – 5. März 2006
„Unter
Deinen Schutz...“ ist der Anfang vieler Gebete und Hymnen,
die sich an die Gottesmutter wenden. Die in der Ostkirche sehr ausgeprägte
Marienverehrung war massgeblich für die Namensfindung eines
Ausstellungsprojektes aus Südpolen, das im Rahmen des Polnisch-Deutschen
Jahes 2005/2006 zwischen Deutschland und Polen im Ikonen-Museum
Frankfurt präsentiert
wird. Ffinanziert
wird die Ausstellung von der Wojewodschaft Kleinpolen und dem
Außenministerium
der Polnischen Republik.
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Deesis, 18. Jahrhundert - Museum Sanok,
Südpolen |
Von rustikalem Charakter und rauer Schönheit sind die Ikonen
des 16. bis 19. Jahrhunderts aus den polnischen Karpaten, und sie
sind einmal mehr ein nahezu unbekanntes Gebiet der Ikonenkunst. Das
Karpatengebiet wurde seit dem 16. Jahrhundert von einer nationalen
Minderheit, den Lemken bewohnt. Die Lemken waren, wie die Bojken
und Ruthenen in dieser Gegend auch, in erster Linie Bergbauern, deren
Nationalität und Sprache sich aus einem polnischen, slowakischen
und ukrainischen Konglomerat zusammensetzte. Die ursprünglich
orthodoxe Ausrichtung dieser Volksgruppe erfuhr wohl bereits im 16.
Jahrhundert durch polnischen Einfluss eine Hinwendung zum Katholischen,
behielt jedoch ihren orthodoxen Ritus bei. Die Kirche besitzt ihren
eigenen Metropoliten Jan Martyniak, der juristisch dem Vatikan untersteht.
Angesiedelt zwischen Hoch- und Volkskun st
Mit der Beibehaltung des orthodoxen Ritus ging die Verehrung von Ikonen
in der Liturgie und für die private Andacht einher. Thematisch und ikonographisch
eng bei den ukrainischen und russischen Ikonen angesiedelt, weisen die gezeigten
Ikonen jedoch eigene nationale Merkmale auf, die sie zwischen Hoch- und Volkskunst
einordnen. Vor allem der rustikale Volkscharakter dieser oft großformatigen
Bilder verleiht den Ikonen eine eigene dekorative, unverwechselbare und sehr
ungewöhnliche Aussage. Große Prozessionsfahnen und –kreuze und
ein Ambo vervollständigen das Bild der kirchlichen Einrichtung für
die Liturgie.
Ikonen aus Holzkirchen
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Jesus Christus im Weinberg |
Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Marschallamt der
südpolnischen Wojewodschaft Klein-Polen und den Museen in Nowy
Sacz, Sanok und dem Schlossmuseum Lancut, vorbereitet wurde, zeigt
Ikonen, die vor allem aus den berühmten Holzkirchen des 17.
und 18. Jahrhunderts in dieser Gegend stammen. Die eindrucksvollen
Holzkirchen, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, befinden
sich dort zahlreich und bis heute in kultischer Benutzung.
31 Werke von Nikifor
Diese typischen Kirchen wurden auch von dem 1968 verstorbenen naiven
Künstler Nikifor skizziert. Nikifor war ursprünglich
Lemke, wie Andy Warhol übrigens auch, und erlangte schon
zu späten Lebzeiten internationale Anerkennung. Weitgehend
Analphabet und sprachlich stark beeinträchtigt, fand er
seine Ausdrucksform in zahllosen Skizzen und meist kleinformatigen
Bildern seiner Umgebung. Die Ikonenausstellung wird ergänzt
und bereichert durch 31 Arbeiten Nikifors.
Das Kulturerbe der Lemken Anliegen der Ausstellung ist es jedoch nicht nur Ikonen aus Polen
zu zeigen, sondern auch auf eine nationale Minderheit hinzuweisen,
die, obwohl in direkter Nachbarschaft, so doch weitgehend unbekannt
war und ist. Der Volksstamm der Lemken war mit den Verschiebungen
der Grenzen durch die Jahrhunderte vielen Veränderungen unterworfen.
Bis heute deutlich spürbar war die großangelegte Zwangsumsiedlung
der Lemken in den neuen polnischen Gebieten, in Nord- und Westpolen
nach 1947. In den letzten Jahren siedeln sich wieder Lemken in ihrer
ursprünglichen Heimat in den Karpaten an, ihr Kulturerbe wird
museal geschätzt und gepflegt.
Eintritt:
€
4,-, ermäßigt € 2,50
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