Ikonen-Museum der Stadt Frankfurt - Stiftung Dr. Schmidt-Voigt

 















 

 

Dr. Jörgen Schmidt-Voigt. Der Stifter des Ikonen-Museums

Im Jahr 1964 machte Jörgen Schmidt-Voigt eine Entdeckung aus der eine große Leidenschaft erwuchs: Alexej I., damals Patriarch von Russland, hatte ihn eben durch das Kloster Sagorsk geführt. Da fiel der Blick des bekannten Herzspezialisten auf eine Ikone, die ihn tief bewegte. Sie zeigte die Gottesmutter, die neben dem Bett eines kranken Klerikers steht und ihn aus ihrer entblößten Brust Milch auf das Gesicht spritzt. Die "Heilung eines Klerikers" faszinierte den Arzt aus dem Westen. Alexej I. bemerkte das und er schenkte dem bekannten Mediziner die Ikone. Dieses Erlebnis markiert den Beginn der Sammlerleidenschaft von Jörgen Schmidt-Voigt sein.

Ikone und Medizin

Schmidt-Voigt sammelte in den folgenden Jahrzehnten fast 1000 Ikonen und schrieb mehrere Bücher über die Ikonen. Sein besonderes Augenmerk richtete der ehemalige Chefarzt am Kreiskrankenhaus in Eppstein und später in Bad Soden auf die Verbindung von Medizin und Ikone. Tatsächlich stecken die religiösen Darstellungen der Ikone voller medizinischer Themen. Die Palette reicht von Krankheiten über Kinderlosigkeit und Geburt bis hin zu Transplantationen und psychischen Erkrankungen.

"Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben"

Besonders beeindruckt haben den Arzt auch die Anargyroi, die Geldverächter, jene frühchristlichen Ärzte für die das im Matthäus-Evangelium überlieferte Gebot Jesus galt: "Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt böse Geister aus. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben."Auch Schmidt-Voigt wollte sein Helfen in erster Linie als Akt der Nächstenliebe verstanden wissen. Von vielen seiner russischen Patienten nahm er kein Geld. Manch einer schenkte ihm aber zum Dank eine Ikone, so etwa der russische Maler Ilja Glasunov, der ihm den Hl. Christophoros Kynokephalos und die Lobpreisung der Gottesmutter anvertraute. Die Sammlung des Herzspezialisten wuchs stetig an. Auch durch den gezielten Ankauf des Arztes. Dieser Erwerb habe ihn vor "unredlichem Leben in Saus und Braus, vor Alkohol und Zigaretten, vor dem Häus´chen in Tessin" beschützt, sagt Schmidt-Voigt heute etwas verschmitzt.

Der Stadt Frankfurt die Sammlung vermacht


Das Jahr 1986 war ein Wendepunkt im Leben des Mediziners. Der Arzt erkrankte schwer. Kurz vor der entscheidenden Operation vermachte er seine Sammlung der Stadt Frankfurt, die die Exponate im neu gegründeten Ikonen-Museum ansiedelte. Heute ist nicht nur Schmidt-Voigt wohl auf, sondern auch das Museum. Zusammen mit der neuen Dauerleihgabe aus dem Berliner Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst besitzt das Frankfurter Ikonen-Museum eine der hochwertigsten Ikonen-Sammlungen der westlichen Welt und kann damit seiner Aufgabe, nämlich Brückenschlag zwischen östlicher und westlicher Welt zu sein, in Zukunft noch besser nachkommen. Ganz im Sinne seines Stifters, der sich seine Liebe zu Russland und den Ikonen stets bewahrt hat. Ganz leicht ist ihm die Trennung von ihnen übrigens nicht gefallen. Und doch: die schönste Erinnerung an sie ist für den Stifter der Tag an dem sie im Ikonen-Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

 



akuell: Dr. Schmidt-Voigt hat den "Sergius von Radonesch Orden" erhalten.